Thomas Manns, „Tonio Kröger“und die Selbstfindung des Dichters

“Meine tiefste und verstohlenste Liebe gehört den Blonden und Blauäugigen, den hellen Lebendigen, den Glücklichen, Liebenswürdigen und Gewöhnlichen“

                                                                                                                                                -Tonio Kröger

Thomas Manns Novelle,“Tonio Kröger“(zuerst herausgegeben 1903) präsentiert sich als ein Werk das den einfühlsamen Leser seelisch mitzureißen verspricht. Die Erzählung schildert das Leben und Entfaltung eines jungen Mannes namens Tonio Kröger der sich von der Gesellschaft ausgestoßen und entfremdet fühlt, aufgrund seiner Geistigen und Emotionalen Zuneigung des Künstlertums. Es ist unbestreitbar, das die Zerrissenheit der Hauptfigur sich bereits in seinem Namen widerspiegelt .Es wird dem Leser schnell deutlich gemacht, das Tonio Krögers name sich seiner einfachen Denotation (Namensdeutung) überschreitet und sich an dessen, in eine Metaphorische Bedeutung verwandelt die das Leitmotiv der Novelle zum Vorschein bringen läßt, nämlich die innerliche Zerrissenheit zwischen zwei Gegensätzlichen Welten, die des Künstlers (Tonio) und die des Bürgers (Kröger). Seine Mutter, eine Italienerin mit Zuneigung zum Musikalischen, „…eine dunkle und feurige Mutter , die so wunderbar den Flügel und die Mandoline spielte”,(S.11). steht in direktem Gegensatz zu Tonios Vater, der abstammend und geprägt, von dem Milieus der Bourgeoisie seiner Kindheit ,sein Leben lebt als, „Konsul Kröger …dessen Getreidesäcke mit dem breiten schwarzen Firmendruck man Tag für Tag durch die Straßen kutschieren sah…”,( S.8). Tonio Krögers Zweistimmigkeit lässt ihn an seiner wahren Identität zweifeln und verursacht sein innerliches Leiden. Das innerliche Leiden des Titelheldens und seiner anschließenden Auseinandersetzung mit der Dualität seines Ichs, entblößt sich als die zentrale Thematik der Novelle.

Tonio spürte schon als vierzehnjähriger Junge das er anderes sei als all die blauäugigen um ihn herum. Der Erzähler enthüllt, „Ja es war in allen Stücken etwas Besonderes mit ihm, ob er wollte oder nicht,… er war allein und ausgeschlossen von den Ordentlichen und Gewöhnlichen, obgleich er doch kein Zigeuner in grünen Wagen war…“,(S.15). Es wird eindeutig, von der vorhergehenden Offenbarung

des Erzählers, das Tonios innere Zerrissenheit, einer Zuneigung zu Grunde liegt, die seine Wahrnehmung des Gespalten Seins verstärkt.

Thomas Manns Novelle ist überhäuft mit Gegenüberstellungen die es dem Text ermöglicht die Thematik des Gespalten Seins zwischen Bürgertum und Künstlertum, gleichstellung mit Geist und Leben, zum Vorschein zu bringen. Diese Gespaltenheit wird deutlich wenn der Titelheld behauptet, „Ich sage ihnen, dass ich es oft sterbensmüde bin, das Menschliche darzustellen, ohne am Menschlichen teil zu haben

Obwohl die Haltung Tonio Krögers hauptsächlich mit einer melakonischen und äußerst Gequälten Stimme geprägt ist ,verbreitet sich dennoch am Ende eine Haltung der Zufriedenheit (ein sichtbares Zeichen seiner Entwicklung). Ein Stimmungswandel der Textebene wird deutlich wenn der auktoriale Erzähler vermerkt das, „[nachdem]Tonio Kröger in Wind und Brausen eingehüllt,versunken in dies ewige, schwere, betäubende Getöse,[stand] das er so sehr liebte…[und dann sich]... wandte und fort ging , so schien es plötzlich ganz ruhig.

Obwohl Thomas Manns „Tonio Kröger“ geplagt ist von einer zu Offensichtlichkeit dessen Thematik,und einer zu polarichen oberflächlichen  Einstellung unterliegt, erlöst sich der Text dennoch selbst am Ende der Erzählung. Es ist die eindeutige Fähigkeit Thomas Manns, die unbestimmbare Welt der Gefühle und Geist, eine konkrete form zu verleihen, das die Novelle so empfehlenswert macht. Die Stärke des Textes kommt von dessen bildlichen Sprache die er spricht den Leser zum Nachdenken zu bringen.

tonio

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